Nachhaltigkeit als USP?
Kann Klimaschutz noch das Aushängeschild
eines Unternehmens sein?

THESE - ANTWORT

Vor einigen Jahren war die nachhaltige Ausrichtung eines Unternehmens noch ein Aushängeschild, Unternehmen konnten sich von Marktbegleitern abheben.

Das gelingt doch immer weniger!

Zwar erwarten die meisten Kunden, dass Unternehmen Klimaschutzaktivitäten durchführen und Ihre Produkte oder Dienstleistungen nachhaltig produzieren oder anbieten - dennoch: Könnten Unternehmen, die sich ihr Nachhaltigkeitsengagement als alleinigen USP auf die Fahne geschrieben haben, nicht in Probleme geraten? 

Sandra Millei:

Aus meinem Selbstverständnis heraus vertrete ich eine ganz andere Ansicht und habe auch einen anderen Blick auf die Dinge:

Noch viel zu wenige Betriebe haben das Thema Nachhaltigkeit ganzheitlich im Unternehmen verankert.

Für einige Unternehmen ist Nachhaltigkeit eher ein Marketingthema - das ist richtig, andere wiederum sehen mit diesem Thema eher Rohstoff- und Produktionspolitik im Unternehmen verbunden und für wieder andere ist das ganze Thema sowieso Quatsch und hat mit allen anderen nur nicht mit ihnen selbst zu tun.

An dieser Stelle sollte man vielleicht auch mal in die Betrachtung einbeziehen, das Wirtschaft, Gewinnmaximierung, Expansion und Verdrängungswettbewerb sich im ersten Blick mit dem Thema Nachhaltigkeit nicht verbinden lassen.

Sehen wir uns doch mal den Textilunternehmer an, der bisher seine Waren in Bangladesh produzieren lässt. Die Ware ist günstig, die Liefertermine verbindlich und der gesamte Produktionsprozess ist abgestimmt. Dieser Unternehmer weiß natürlich, das die Produktion seiner Ware unter Bedingungen geschieht, die er für sich selbst nie akzeptieren würde. Aber er sieht dies nicht als sein Thema an und schiebt die Verantwortung für Missstände weit von sich. Das Argument: Seine Kunden würden eine Verteuerung seiner Waren, die ein Umdenken bzw. die Verlagerung des Produktionsstandortes nach sich ziehen würde, nicht akzeptieren. Schon hat er sich seiner Verantwortung entzogen, denn er würde ja gerne - aber seine Kunden wollen nicht. Und nun müsste sich einmal jeder von uns die Frage stellen, ob wir wirklich bereit wären die Produkte dieses Textilproduzenten zu kaufen wenn die Preise um 50% ansteigen würden. Nein, wir würden es nicht. Wir wind ja als Verbraucher noch nicht mal in der Lage für gut produziertes Fleisch einen fairen Preis zu bezahlen. Also lasst uns nicht so tun, als wäre Nachhaltigkeit in Unternehmen angekommen und diejeningen, die nichts tun eher ein Randgruppe.

Ich denke auch nicht, das wir als Konsumenten jemals zu Gunsten anderer und sei es nur zur Stabilisierung unserer Ökosysteme, Verzicht üben würden.

Freiwilliger Verzicht in großem Umfang hat in der Menschheitsgeschichte noch nie funktioniert. Und wenn dem so ist, dann müsste es doch unsere Aufgabe sein, Nachhaltigkeit und fairen Umgang mit anderen Wirtschaftsteilnehmern fest in Produkte einzubauen.

Der Verbraucher hätte so den großen Vorteil, dass er sich mit diesem Thema nicht auseinander setzen muss sondern dass er quasiNachhaltigkeit und Fairness mitkauft.

Oder lasst uns doch mal die Diskussion mit dem To Go Becher ansehen. Anstatt dafür zu sorgen, das recyclingfähige Produkte möglichst oft den Weg in die Wiederverwertung finden, diskutieren wir über den Mitnahmebecher oder ein Pfand auf den Pappbecher. Dass aber der Pappbecher, bzw. der Zellstoff heute oft schon aus nachhaltig bewirtschafteten Wäldern kommt, die explizit darauf ausgelegt sind schonend mit nachwachsenden Rohstoffen umzugehen, davon spricht selten jemand.

Ich stelle nur fest, dass Entsorgungsmöglichkeiten für wiederverwertbares immer häufiger aus den Städten verschwinden, weil sich Kommunen die hohen Kosten für die Entsorgung sparen wollen. Ich denke, der Verbraucher wird auch in Zukunft auf seinen Kaffee to go nicht verzichten und weil wir das alle wissen sollten wir besser an effektiveren Entsorgungsmöglichkeiten arbeiten.

Ich würde mir anstelle dessen eine viel breitere Diskussion über Braunkohlenverstromung wünschen.

Über die Tatsache dass unsere Bundesregierung diese CO2-Schleudern noch in den nächsten 10 Jahren durch unsere Steuergelder subventioniert um den Betreibern den Ausstieg möglichst sanft und Renditeoptimiert zu gestalten.

Sich Nachhaltigkeit auf die Fahne zu schreiben und als Teil der Unternehmensausrichtung zu etablieren ist etwas anderes als, als ein nachhaltig agierendes Unternehmen im Markt gesehen zu werden.

Marketingstrategen geben weltweit Milliarden aus um Marken einen sogenannten Markenkern zu geben, also mit Werten zu verbinden. Dies ist ein sehr langwieriger Prozess und erfolgreich sind nur jene Unternehmen die das Thema ganzheitlich von innen nach außen leben.

Irgendwann, nach jahrelanger guter Arbeit, erfolgreichen Produkten, verbraucherorientiertem Service und vielen anderen wichtigen Komponenten ist es dann auch dem Verbraucher möglich im Unternehmens- oder Markenkern Nachhaltigkeit zu erkennen und zu belohnen.

Wer Nachhaltigkeit mit einem möglichen USP verbindet oder gleichsetzt erkennt nicht, das Nachhaltigkeit ein Teil dieses Unternehmens oder eben des Markenkerns ist. Gleichzusetzen mit Produktqualität, Service, Umgang mit Lieferanten und Mitarbeitern, verwendeten oder verarbeiteten Rohstoffen, Ausschluss von Kinderarbeit u.s.w..

Dies alles zusammen bildet für Verbraucher eine Welt in der die Marke eher besser also aktiv oder schlechter also passiv gesehen wird.

Unternehmen oder Marken die eher im Verborgenen operieren, also auf eine bewusste Kommunikation des Markenkerns verzichten, sind beliebig und austauschbar.

Zusammenfassend denke ich, dass das Thema Nachhaltigkeit noch viel zu wenig in Unternehmen angekommen und von Verbrauchern eingefordert wird. Hier muss dringend gegengesteuert und umgedacht werden.

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